Brief an den Bischof - John Tschinkel

Brief an den Bischof - John Tschinkel

Beitragvon Forum 2002 - 2013 » Fr 25. Apr 2014, 11:37

Abgeschickt von John Tschinkel am 24 September, 2005 um 05:43:11:


John Tschinkel, 5730 Turnberry Lane, Vero Beach, FL 32967

20. September, 2005

Seine Eminenz, Msgr. Christian Werner,
A-1010 Wien,
Bräunerstraße 3, Austria

Sehr geehrte Eminenz,

Ihre Predigt vom 7. August 2005 an der Gottscheer Kulturwoche wurde im Ganzen, in der September/Oktober 2005 Ausgabe der Gottscheer Zeitung, wiederholt. Ich las sie mit großem Interesse und danke Ihnen für die schöne Worte welche an uns weitergegeben wurden.

Höchst ermutigend an Etliche von uns war Ihr Ausdruck und ich zitiere: „Ihr Gottscheer wollt Euch als ein kulturelles Kleinod Europas behaupten. Dabei ist wichtig, und ich ermuntere euch, mutig und entschlossen mit der Wahrheit aufzutreten und Euch weiterhin zu bemühen, der Geschichte der Gottschee zu ihrer Wahrheit zu verhelfen.“

Ein angebrachter Rat welcher, hoffentlich, nicht an verschlossene Ohren fiel. Leider gab es andere Ausdrücke in Ihrer Predigt, welche andeuten Sie sind mit den Genauigkeiten unserer Geschichte nicht völlig bekannt. Sie sagten: „Auf Grund des Abkommens zwischen Hitler und Mussolini … wurde die Umsiedlung eurer Landsleute angeordnet. So hatten sie nur die Wahl sich für die Umsiedlung zu entscheiden oder ihr Volkstum aufzugeben.“ Aber ich zitiere aus einem Briefe vom SS-Gruppenführer im Amte des „Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums“, datiert 31. Oktober 1941, an SS-Sturmbannführer LaForce; „ Nach Ansiedlung der Gottscheer in der Unresteiermark bitte ich darauf zu achten, das damit das Bestehen der Volksgruppe als solche aufzuhören hat und die Gottscheer sich bedingungslos in die Steiermark und damit in das Gesamtdeutschtum einzufügen haben.“ Das was keine leere Mahnung. Tatsache ist, nach der Umsiedlung wurde uns Kindern die Gottscheer Mundart verboten.

Wir Gottscheer hatten die Option auszusiedeln oder zu bleiben. Etliche blieben und deren Nachkommen lernen heutzutage die Gottscheer Mundart in Slowenien als Mitglieder eines Vereines. Alle andere konnten sich deren eigenen Leitung, alle fanatische junge Nazis, und deren psychologischen Zwang zur Annahme der Option nicht widersetzen.

Ihre Behauptung; „So hatten sie nur die Wahl sich für die Umsiedlung zu entscheiden oder ihr Volkstum aufzugeben.“, hat daher einen falschen und einseitigen Klang. Der obige Befehl des SS-Gruppenführers wurde sogar von Richard Lackner, (dem ehemaligen Stellvertreter von Wilhelm Lampeter, Leiter der Gottscheer Nazi und später SS-Offizier in Buchenwald KZ), bestätigt. Lackner, Mitglied der 3. Kompanie SS-Panzer-Grenadier-Regiment 37, (17. SS-Panzer-Grenadier-Division "Götz von Berlichingen") wurde, wie Lampeter, zum Ehrenmitglied in Organisationen unter Viktor Michitsch erwählt. Er war, wie auch Sie, an der August 2005 Kulturwoche und es kann sein, dieser wurde Ihnen sogar als ein besonders würdiger Gottscheer vorgestellt.
Auch vernehmbar aus Ihrer Predigt: „Wie ich in einem Gespräch erfahren habe, wurden die Gottscheer Kirchen zum Grossteil vom gottlosen Kommunismus zerstört. Und somit erinnern nur noch Ruinen an die schönen Gotteshäuser und Kapellen“. Aber das Folgende, aus „Das verlorene Erbe der Gottscheer Deutschen“ ein Buch von Dr. Mitja Ferenc, Historiker der Gegend zeigt was anderes: Nach dem Exodus, die ausgeleerten Dörfer wurden offener Schießplatz für viele und schwere Schlachten zwischen den verschiedenen Kräften aller Seiten; die Italienische Besatzung, die Plava Garda (slowenische Royalisten), die Partisanen (Kommunisten), die Domobranci (Slowenen, verbündet alliiert dem Nazi Besetzer) und nach 1943 auch dem Nazi Besetzer. In diesen Schlachten wurden viele der ausgeleerten Dörfer wie auch deren Kirchen und Kapellen, zerstört. Im Ganzen wie folgend:

Kirchen zur Zeit des Exodus.…………………………… : 92
In den Schachten zerstört, nicht renoviert, Ruinen entfernt: 37
Nach 1941 verfallen, Ruinen entfernt.................................: 10
Noch ständig, nicht für religiöse Zwecke benutzt………..: 3
Überstanden den Krieg, von der Regierung abgerissen…..: 16
Heute noch als Kirche dienend…………………………...: 26
Kapellen zur Zeit des Exodus………………….………….: 29
In den Schachten zerstört, nicht renoviert, Ruinen entfernt: 12
Nach 1941 verfallen, Ruinen entfernt.................................: 4
Noch ständig, nicht für religiöse Zwecke benutzt………..: 2
Überstanden den Krieg, von der Regierung abgerissen…..: 1
Heute noch als Kapelle dienend………..………………...: 10

Also Ihr Bericht: „Wie ich in einem Gespräch erfahren habe… “ ist nicht übereinstimmend mit den wirklichen Tatsachen. Und damit bin ich wieder am Anfang dieses Briefes und an Ihrer Mahnung:„Ihr Gottscheer wollt Euch als ein kulturelles Kleinod Europas behaupten. Dabei ist wichtig, und ich ermuntere euch, mutig und entschlossen mit der Wahrheit aufzutreten und Euch weiterhin zu bemühen, der Geschichte der Gottschee zu ihrer Wahrheit zu verhelfen.“

Ist es möglich dieser Rat findet offene Ohren??



Hochachtungsvoll,
John Tschinkel

CC.: Dr. Viktor Michitsch
Dr. Mitja Ferenc
Dr. Alois Schwarz
Richard Lackner

PS.: Weiteres über die Wahrheit ist im Forum der Website: Gottschee.de/ (Home-Forum) zu finden. Ein Brief an Dr. Alois Schwarz, Diözesenbischof ist diesem Schreiben beigelegt. Ich hoffe Sie finden es erklärend.
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Neuer Brief an den Bischof - John Tschinkel

Beitragvon Forum 2002 - 2013 » Fr 25. Apr 2014, 12:10

Abgeschickt von John Tschinkel am 23 Januar, 2006 um 23:53:07:

John Tschinkel, 5730 Turnberry Lane, Vero Beach, FL 32967

22. Januar, 2006

Seine Eminenz, Msgr. Christian Werner,
A-1010 Wien,
Bräunerstraße 3, Austria

Sehr geehrte Eminenz,

In meinem Schreiben vom 2, September, 2005, dankte ich Ihnen für den Rat übergeben an der 2005 Gottscheer Kulturwoche:

„Ihr Gottscheer wollt Euch als ein kulturelles Kleinod Europas behaupten. Dabei ist wichtig, und ich ermuntere euch, mutig und entschlossen mit der Wahrheit aufzutreten und Euch weiterhin zu bemühen, der Geschichte der Gottscheer zu ihrer Wahrheit zu verhelfen.“

Um diese Wahrheit zu festigen versuchte ich in meinem Schreiben, Sie auf etliche Ungenauigkeiten in Ihrer Anrede aufmerksam zu machen. Ich hoffe, dieser Versuch war nicht ohne Erfolg.

Leider schlich sich in mein Schreiben eine Behauptung welche sich seither als Irrtum enthüllte. Diese Behauptung bezeichnete Richard Lackner als: „Mitglied der 3. Kompanie SS-Panzer-Grenadier-Regiment 37, (17. SS-Panzer-Grenadier-Division "Götz von Berlichingen")“.

Damals war ich sicher diese Behauptung war Tatsache, abgegeben von: "Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht" (abgekürzt: WASt) mit Sitz in Berlin.

Also wörtlich: "Der Genannte geriet am 3.5.1945 als Gefreiter (SS-Sturmmann) der 3. Kompanie SS-Panzer-Grenadier-Regiment 37 (17. SS-Panzer-Grenadier-Division "Götz von Berlichingen") in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er am 28.06.1946 entlassen wurde. Heimatanschriften sind: - 1944/45: Vater Peter, Rann an der Save/Untersteiermark, Haus Nr. 43., - 1946: Vater Peter, Bleiburg Bez. Völkermarkt/Kärnten."

In seinem Schreiben, (kürzlich im Internet verbreitet), Richard Lackner behauptet das Obige ist falsch und ich zitiere daher seine Richtigstellung:

„ Unsere Kompanie gehörte zur [SS] Division Totenkopf - und nicht zur SS-Division ‚Götz von Berlichingen’ - wie von John Tschinkel in einem Schreiben vom 20. September 2005 an Seine Eminenz Mag. Christian Werner behauptet“.

Aber das war nicht meine Behauptung sondern die der WASt welche ich zitierte. Herr Lackner soll sich dort anmelden und deren Dokumentierung richtigstellen.

Meine Reaktion zum Schreiben von Richard Lackner ist beiliegend. Sie finden es auch am Internet im Home/Forum von http://www.gottschee.de, wie auch das Schreiben welches meine Antwort bewirkte.

Hochachtungsvoll,

John Tschinkel
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Re: Neuer Brief an den Bischof - Der Tisner Ander

Beitragvon Forum 2002 - 2013 » Fr 25. Apr 2014, 12:11

Abgeschickt von Der Tisner Ander am 02 Februar, 2006 um 22:32:00:

Antwort auf: Neuer Brief an den Bischof von John Tschinkel am 23 Januar, 2006 um 23:53:07:

Es ist in der Tat bemerkenswert, dass zwei der Hauptverantwortlichen des Riesenchaoses der Umsiedlung der Gottscheer so lange Funktionen bei der Landsmannschaft ausüben konnten. Es wäre eigentlich Scham und Zurückhaltung angebracht bei diesen zwei Personen. Der eine hätte seine Saatgutforschungen und der andere seine Gedichtlein ruhig weiter machen können und damit wär´s das gewesen. Aber John Schinkel ist mit seiner Kritik nur an einem Thema interessiert, das ist verdächtig. Kein Staat hat seine deutschen Mitbürger so verfolgt und die deutschen Kriegsgefangenen so gepeingt wie Jugoslawien. Darüber verliert er kein Wort. Jugoslawien hat der deutschen Minderheit nicht die Rechte eingeräumt, die die Slowenen in Kärnten haben, auch wenn diese Regelung im internationalen Maßstab sehr kleinlich ist.

Heute hat Slowenien auch noch keine deutsche Minderheit in der Verfassung anerkannt, während das mit den Italienern und den Ungarn der Fall ist. Dass den Gottscheern nichts passiert sei, wenn sie nicht umgesiedelt wären mag glauben, wer die Hose mit der Beißzange anzieht. Die Autorin Auersperger (was für ein schöner slowenischer Name!) spricht von einer "Implantierung" einer deutschen Minderheit. Ist ihr schon mal der Gedanke gekommen, dass durch jahrzehntelangen Druck viel zu wenige sich zur deutschen Minderheit bekennen könnten? Niemand wurde in den deutschen Sprachinseln Zarz/Sorica und Deutsch Ruth/Rut ausgesiedelt. Warum wohl? Sind das die guten Deutschen, die sich freiwillig slowenisiert haben?

Wo bleiben die zweisprachigen Ortstafeln?

Dipl.-soz.-päd./Dipl.soz.-arb.
Anderas Pinggera
genannt "Der Tisner Ander"
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