„Sloweniens historische Bürde“ - Perspektive

Slow. historische Bürde, Dr. J. Hösler - Slovenski pozdravi

Beitragvon Forum 2002 - 2013 » So 27. Apr 2014, 07:55

Abgeschickt von Slovenski pozdravi ! am 09 November, 2010 um 19:21:04:

Dr. Joachim Hösler - Sloweniens historische Bürde

Slowenien gilt seit dem Beitritt 2004 weithin als Musterland der Europäischen Union. 1 Doch die slowenische Gesellschaft ist mehr denn je mit den traumatischen Ereignissen der Jahre 1941 bis 1946 beschäftigt. Die deutsche Reichsregierung unter Adolf Hitler verfolgte bis 1938 mit wirtschaftsimperialistischen Methoden eine Südosteuropa-Politik, die in der Tradition der wilhelminischen Zeit und der späten Weimarer Republik stand: Südosteuropa sollte als "Ergänzungsraum" einer von Deutschland beherrschten Großraumwirtschaft auch in Kriegszeiten billig und zuverlässig Rohstoffe und Agrarprodukte liefern. 2 Nach der Annexion Österreichs 1938 und der "Zerschlagung" der Tschechoslowakei 1939 nahm der deutsche Druck auf die südosteuropäischen Staaten zu. Ungarn, die Slowakei, Rumänien und Bulgarien schlossen sich dem Dreimächtepakt Deutschlands, Italiens und Japans vom September 1940 an und dienten als Aufmarschgebiete und Nachschubzonen für den bevorstehenden Russland-Krieg. 3

Ende Juni 1940 begannen die Operationsplanungen für den deutschen Überfall, mit dem im Frühjahr 1941 "Russland erledigt" werden sollte. 4 Am 25. März 1941 erklärte sich die Regierung des Königreichs Jugoslawien bereit, dem Dreimächtepakt beizutreten. Doch ein unblutiger Putsch, unterstützt vom britischen Geheimdienst und von antifaschistischen Kundgebungen in der Hauptstadt Beograd, durchkreuzten Hitlers Pläne. Die neue Zivilregierung unter Ministerpräsident Dusan Simovic' betonte zwar umgehend, der Umsturz sei nicht gegen Berlin gerichtet gewesen und die bisherige Außenpolitik werde fortgesetzt, doch für Hitler stand fest, Jugoslawien nun "militärisch und als Staatsgebilde zu zerschlagen" und dabei "mit unerbittlicher Härte" vorzugehen. 5 So begann am 6. April ohne Kriegserklärung die Bombardierung Beograds. Der Einmarsch nach Jugoslawien erfolgte von Italien, Kärnten, der Steiermark, von Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Albanien aus. Nach elf Tagen kapitulierte Jugoslawien. 6 Das Gebiet des heutigen Slowenien wurde besetzt. Ungarn erhielt den östlichen Streifen der "Drau-Banschaft", das so genannte Übermurgebiet jenseits der Mura, die Batschka und Baranja nordwestlich von Donau und Theiß, und schloss diese Gebiete im Dezember 1941 dem ungarischen Staatsgebiet an. Italien besetzte den Westen des Banat mit der Hauptstadt Ljubljana sowie Teile Dalmatiens und installierte die Provincia di Lubiana mit einem anfangs relativ milden Regime. Zunächst blieb die slowenische Infrastruktur unangetastet; die politischen Parteien wurden indes verboten. Dies hatte zur Folge, dass aus den deutschen und ungarischen Besatzungsgebieten innerhalb eines halben Jahres gut 20 000 Menschen in die Provincia flohen. Doch auch die italienische Okkupation zielte wie die deutsche und ungarische auf die Auslöschung alles Slowenischen. Bis zur Kapitulation Italiens am 8. September 1943 wurden bis zu 6 000 Menschen in der Provincia ermordet und 30 000 in Konzentrationslager deportiert. 7

Deutschland okkupierte Oberkrain und die Untersteiermark und schloss diese Gebiete dem Gau Kärnten und dem Gau Obersteiermark an. Die Besatzungspolitik folgte der am 26. April 1941 in Maribor ausgesprochenen Anweisung Hitlers, das Land "wieder deutsch zu machen". Personen- und Ortsnamen wurden eingedeutscht, der Gebrauch der slowenischen Sprache wurde verboten, sämtliches Eigentum des Staates, der Kirche, der Deportierten und der Habsburger beschlagnahmt. Eine Meldepflicht und die Schließung der slowenischen Schulen, Vereine und Gewerkschaften kamen hinzu. Bereits am 18. April 1941 hatte Heinrich Himmler als "Reichskommissar zur Festigung des deutschen Volkstums" Richtlinien festgelegt, die bewirken sollten, die gesamte slowenische Intelligenz, alle nach 1914 eingewanderten slowenischen Familien, alle Bewohner des Sava-Sotla-Gebietes und die Dorfbewohner der Südsteiermark auszuweisen, "zum überwiegenden Teil wohl meistens bis zu 90 und mehr Prozent". Die restliche Bevölkerung sollte einer "Fein-Auslese" unterzogen werden. 8

Wie in anderen von der Wehrmacht besetzten Gebieten nahmen die Mitarbeiter des Rasse- und Siedlungshauptamts der SS eine "rassische Musterung" der Bevölkerung vor. Es wurden Schädel vermessen, Kopfformen kontrolliert und der Körperbau nach 21 Eigenschaften katalogisiert. Mehr als 585 000 Sloweninnen und Slowenen mussten sich dieser Tortur unterziehen, das entspricht 73 Prozent der Sloweninnen und Slowenen im deutschen Besatzungsgebiet und fast der Hälfte der slowenischen Vorkriegsbevölkerung. Es sind im Wesentlichen zwei Gründe, weshalb die Konsequenzen dieses Vorgehens glimpflicher ausfielen, als es die ursprünglichen Umsiedlungspläne vorsahen. Zum einen waren die "Rasseexperten" vom Ergebnis ihrer Untersuchung überrascht: Während in Westpolen die "Eindeutschungsquote" auf fünf Prozent veranschlagt worden war, wurde sie bei der slowenischen Bevölkerung auf 50 Prozent festgelegt. Zum anderen unterbrach der bewaffnete slowenische Widerstand bereits am 6. August 1941 erstmals eine Deportation. Ein Jahr später wurden die Aussiedlungen aus der Untersteiermark wegen des Widerstandes ganz eingestellt. Bis zu 80 000 Sloweninnen und Slowenen wurden deportiert, überwiegend nach Deutschland zur Zwangsarbeit in der Industrie (mindestens 36 000 Menschen), teils zur "Wiedereindeutschung" ins "Altreich" (ca. 16 000), teils nach Kroatien und Serbien (ca. 16 800). Der Aderlass war für das soziale Gefüge erheblich: Über 90 Prozent der Geistlichen, über 84 Prozent der Ingenieure, zwei Drittel der Hochschullehrer, 45 Prozent der Ärzte und Apotheker und fast ein Viertel der Juristen wurden verschleppt.

Die "Umvolkung" betraf auch die "Gottschee-Deutschen". Ihre Organisationen hatten 1930 den 600-jährigen Bestand des Kolonisationsgebietes im Süden Krains gefeiert. Drei Jahre später bejubelten sie den Machtantritt Hitlers. Der überließ das Gebiet mit der Hauptstadt Kocevje (Gottschee), eine deutsche Sprachinsel ca. 60 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Ljubljana (Laibach), Mussolini und befahl, die Gottschee-Deutschen "heim ins Reich" zu holen. Nur knapp 400 Angehörige blieben zurück, während rund 11 800 Menschen in das "Großdeutsche Reich" umsiedelten; 11 174 Menschen wurden Ende 1941/Anfang 1942 in das Gebiet zwischen Brezice (Rann) und dem Zusammenfluss von Sava und Sotla verbracht, wo durch Deportationen nach Deutschland Platz geschaffen worden war. Das verwaiste Gottscheegebiet, der Hornwald (Kocevski rog), wurde zum wichtigsten Rückzugsgebiet der slowenischen Partisanen.

Schon Ende April 1941, noch bevor es zur Organisation der Partisanen gekommen war, hatte die Wehrmacht die Anweisung erhalten, rücksichtslos jeden Widerstand zu brechen. Am 16. September erging der Befehl, für jeden von Partisanen verletzten Soldaten 50 Geiseln zu erschießen, für jeden getöteten Soldaten 100. Noch im Januar 1945 wurden nach der Ermordung eines namhaften Bürgers deutscher Herkunft aus Celje (Cilli) 100 Slowenen an Straßenbäumen erhängt. 9 Himmler verständigte sich am 18. Dezember 1941 mit Hitler auf die Gleichbehandlung von Juden und Partisanen: Beide Gruppen seien "auszurotten". 10 Die "Partisanenausrottung" (Himmler) oblag in der Alpen-Adria-Region in erster Linie der so genannten SS-Karstwehr. Diese war im oberfränkischen Pottenstein von dem Geologen und SS-Standartenführer Hans Brand zusammengestellt und trainiert worden. Brand, der in den 1920er Jahren die als "Teufelshöhle" bekannt gewordene Tropfsteinhöhle bei Pottenstein erschlossen hatte, erreichte bei seinem Freund Himmler, dass in Pottenstein 1942 eine Außenstelle des Konzentrationslagers Flossenbürg eingerichtet wurde. Zwischen Oktober 1942 und April 1945 waren mindestens 694 KZ-Insassen in Pottenstein inhaftiert. Mitten im Ort in der so genannten Magerscheune untergebracht, mussten sie Unterkünfte und Trainingsgelände für die Karstwehr bauen und Verbindungswege, einen Stausee und eine Stützmauer an der heutigen Bundesstraße 470 errichten. Fast die Hälfte der Gefangenen wurde zu Tode geschunden. Der "Staatlich anerkannte Luftkurort im Herzen der Fränkischen Schweiz" profitierte nach dem Krieg von der von den Häftlingen geschaffenen Infrastruktur. 11

Die Karstwehr kam seit August 1943 in Südkärnten, im adriatischen Küstengebiet und im slowenischen Karst zum Einsatz. 12 Die Truppenstärke betrug im September 1944 fast 2000 Mann. Die "Partisanenausrottung" bestand darin, dass Dörfer in Schutt und Asche gelegt wurden. Die SS-Männer erschossen oder verbrannten die Menschen, derer sie habhaft wurden, und nur ausnahmsweise überließen sie Dorfbewohner, die sie als arbeitsfähig ansahen, der Deportation. Unter Brands Leitung hat die Truppe nachweislich mindestens elf Ortschaften im slowenischen Karstgebiet dem Erdboden gleichgemacht. Der Historiker Tone Ferenc (1927 - 2003) ist bereits vor 30 Jahren zu dem Schluss gekommen, dass keine andere SS-Einheit so viele und so grauenhafte Verbrechen an der Zivilbevölkerung beging wie die Karstwehr unter Brand. Die 1995 von der Staatsanwaltschaft Würzburg aufgenommenen, 2001 eingestellten Ermittlungen haben die Angaben von Ferenc bestätigt. Dennoch ist kein Angehöriger der SS-Karstwehr je zur Verantwortung gezogen worden. Die verhörten Veteranen, 134 an der Zahl, erinnerten sich nur an Gefechte, nicht an ihre Verbrechen - die typische Erinnerungsverweigerung einer Tätergesellschaft, wie sie der Dramatiker Peter Weiss in seinen Stücken Inferno und Die Ermittlung in den 1960er Jahren aufgezeigt hat. 13 Von 1975 bis 1987 versammelten sich die Veteranen siebenmal in Pottenstein, um ihre Toten zu ehren und deftig zu feiern, jeweils drei, vier Tage lang. 14
Widerstand und Kollaboration.

Für die Entfaltung eines alle politischen Lager umfassenden Widerstands in Slowenien gab es aus mehreren Gründen keine Chance. 15 Erstens lehnten die Repräsentanten der bürgerlichen Vorkriegsregierung und -parteien jede Zusammenarbeit mit der Kommunistischen Partei Sloweniens (KPS) unter Hinweis auf deren Illegalität im Königreich Jugoslawien grundsätzlich ab. Zweitens war keine Einigung über die Frage der Rechtskontinuität des Königreichs zu erzielen. Die Bürgerlichen hielten an diesem Prinzip fest, die KPS negierte es. Drittens sprachen die Vorkriegseliten dem italienischen Kaiser Victor Emanuel III. und Benito Mussolini Anfang Mai 1941 ihre Loyalität aus und arbeiteten mit der Besatzungsmacht zusammen. Dies verurteilte die KPS als Verrat an den nationalen Interessen Sloweniens. Viertens wiederum vertraten die Kommunisten beim Aufbau der Partisanenbewegung einen Führungsanspruch, der für die antikommunistischen Politiker inakzeptabel war. Nichtkommunistische Widerstandsgruppen wurden so zwischen Besatzungsmacht und Partisanen zerrieben.

Zwar entstand Ende April 1941 unter der Führung der KPS ein "antiimperialistisches" Widerstandsbündnis mit linksbürgerlichen Kräften, dieses wurde jedoch nie aktiv. Vor dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 war die KPS unfähig, Widerstand gegen Deutschland zu betreiben. Erst am 11. Juli trat zum ersten Mal die Osvobodilna fronta (OF), die "Befreiungsfront", in Erscheinung. Aufgrund ihrer Erfahrung in der Illegalität, ihrer Organisationskraft und Entschlossenheit dominierten die Kommunisten die Befreiungsfront von Anfang an. Der organisatorische Aufbau vollzog sich rasch. Innerhalb eines Jahres entstanden Organe für die politische und militärische Leitung, für eine Gerichtsbarkeit, für Spionage, Sabotage und die Liquidierung von "Feinden des slowenischen Volkes". Ende 1942 schloss sich die OF der gesamtjugoslawischen Partisanenbewegung unter der Führung von Josip Broz Tito an. Als diese im Juni 1944 von den Alliierten anerkannt wurde, genoss auch die slowenische Befreiungsfront internationale Anerkennung und begann, Maßnahmen zum Aufbau einer neuen slowenischen Macht innerhalb eines föderativen Jugoslawien zu ergreifen.

Wer sich den Partisanen anschloss, ging "in den Wald". 16 Der Wald wurde zum Symbol der Partisanen. Aus Sicht der Besatzer galt er als "bandenverseucht"; für die Widerständler war der Wald, vor allem der Kocevski rog, Rückzugsgebiet und Versammlungsort. Hier errichteten sie konspirativ ihre Infrastruktur, ihre politischen und militärischen Kommandozentralen, Schulen und Spitäler. Neben feindlichen Truppen und Denunzianten war der Mangel an Lebensnotwendigem der Hauptfeind der jugoslawischen Partisanen. Daher verordneten sie sich harte Regeln: 1. gnadenloser Kampf gegen die Okkupanten, 2. Ablehnung nationaler Gegensätze, 3. bedingungslose Fürsorge für Verletzte und Kranke sowie Einhaltung der Hygiene, 4. Verbot erotischer und sexueller Beziehungen in den Einheiten (diese vierte Regel galt in der OF nicht). Anfang 1944 gab es etwa 40 000 Partisanen. Worin lagen die Gründe für den großen Zulauf? Erstens trieb die Empörung über die Brutalität der Besatzer, die durch rassistische Musterung, Zwangsdeportationen und -rekrutierungen 17 sowie Geiselerschießungen erfahrene Pein viele Slowenen "in den Wald". Zweitens stammten etliche Partisanen aus Familien im Küstengebiet, das nach dem Ersten Weltkrieg Italien zugeschlagen und einer massiven Italianisierung ausgesetzt worden war. 18 Sie verstanden sich als Opfer und gingen hochmotiviert in den Kampf. Drittens kam die nationalistische Programmatik und Symbolik der OF der eher konservativ geprägten Bevölkerung entgegen. Mit ihrer Forderung nach "Befreiung und Vereinigung Sloweniens" knüpfte die Befreiungsfront an die nationalpolitischen Positionen an, denen auch die nichtkommunistischen Kräfte verpflichtet waren. Dies kam im Eid der Partisanen, in ihren Schulungsmaterialien, Gedenk- und Feiertagen (die zugleich Protesttage waren) sowie der slowenischen Trikolore mit Rotem Stern zum Ausdruck.

Von Anfang an arbeitete die Befreiungsfront zweigleisig. 19 Sie bekämpfte nicht nur die Besatzer, sondern seit Herbst 1941 politisch und mit der Waffe auch die innenpolitischen Gegner der KPS, die Vorkriegseliten, die nach Ansicht der Kommunisten nie mehr an die Macht gelangen sollten. Allein bis Ende 1941 wurden bis zu hundert Menschen ermordet, ausschließlich slowenische Führungspersönlichkeiten, nicht etwa Repräsentanten der Besatzungsmacht. Politisch brach die OF mit ihrem Alleinvertretungsanspruch die Brücken zu den Bürgerlichen ab. Neben der Befreiungsfront konnten keine anderen Widerstandsgruppen erstarken. Wer Widerstand leisten, den Führungsanspruch der KPS aber nicht anerkennen wollte, hatte keinen Platz in der OF und sah sich dem Verdacht der Kollaboration ausgesetzt.

Die Kollaboration im Sinne einer eigennützigen Zusammenarbeit mit den Besatzern 20 wurde durch drei Faktoren begünstigt. Erstens blieb in der Provincia di Lubiana die slowenische Infrastruktur weitgehend intakt. "Weiche Formen der administrativen und kulturellen Kollaboration" 21 waren damit strukturell vorgegeben. Eine zweite Quelle stellte die Not vieler Dörfer dar, die in Gebieten lagen, die von italienischen Truppen und Partisanen umkämpft waren. Beide Seiten warfen den Dorfbewohnern die Unterstützung der anderen vor, plünderten und erschossen Geiseln. Zum Zweck der Selbstverteidigung entstanden "Dorfwehren", die sich jedoch als zu schwach erwiesen, um ihre Funktion zu erfüllen. Sie ließen sich von den Italienern bewaffnen und zu einer "Freiwilligen Antikommunistischen Miliz" zusammenstellen, die im Sommer 1943 über bis zu 10 000 Mann verfügte. Für diese Entwicklung ist als dritter Faktor die "Theorie des kleineren Übels" verantwortlich zu machen, die von Dorfgeistlichen und städtischem Bürgertum in Ljubljana vertreten wurde. In den Attentaten der OF sahen sie eine Bestätigung ihrer Weltanschauung, nach der der Kommunismus eine größere Gefahr als der Faschismus darstelle und daher mit Hilfe des letzteren bekämpft werden müsse. Pfarrer waren während der Anfangsphase des Krieges in der Regel die Initiatoren der Dorfwehren.

Nach der Kapitulation Italiens im September 1943 waren es vor allem die bürgerlichen Kräfte in Ljubljana, die mit Unterstützung der deutschen Besatzungsmacht die Slowenische Landeswehr (Slovensko domobranstvo bzw. Domobranci) aufbauten. Ausgestattet und geführt wurden die Domobranci von der SS, welche die Landeswehr als Hilfstruppe gegen die Partisanen instrumentalisierte. Mit bis zu 13 000 Mann stellten die Domobranci eine relevante militärische Größe dar. Symbolträchtig leisteten sie am 20. April 1944 und am 31. Januar 1945 den Eid, gemeinsam mit SS und Wehrmacht unter Hitlers Oberbefehl den Kommunismus und seine Verbündeten (die Westalliierten) zu bekämpfen. Zu vergegenwärtigen ist, dass sich Ende 1943 die alliierte Anerkennung der jugoslawischen Volksbefreiungsbewegung abzeichnete. Im Juni 1944 wurde sie offiziell bestätigt. Die britische Regierung forderte daraufhin die Führung der Slowenischen Landeswehr auf, den Kampf gegen Partisanen und Alliierte an der Seite der Deutschen einzustellen. Dies wurde jedoch abgelehnt. 22


Abrechnung und Verdrängung

Am 21. November 1944 erließ die provisorische Regierung unter Tito eine Amnestie, die sich auch auf die Mitglieder der Landeswehr erstreckte. Die angesprochenen Personen wurden aufgefordert, sich bis zum 15. Januar 1945 zu stellen. Dieses Angebot scheint jedoch kaum wahrgenommen worden zu sein. Danach zeigte sich die "dunkle Seite des Mondes". 23 Am 26. Mai 1945 sprach Tito in Ljubljana zu einer großen Menschenmenge auf dem Kongressplatz. Er hob die große Zahl der Opfer des Faschismus hervor und erklärte, dass jegliche Verräter, so sie die "Rachehand unseres Volkes" noch nicht erreicht habe, Berge und Felder des Landes nicht mehr erblicken würden. Der Schriftsteller Tone Seliskar wurde am selben Tag in einem Leitartikel deutlicher: Er nannte die Rache "Programm"; es würden alle Bedenken überwunden, denn die Opfer müssten gerächt werden, "und zwar so, dass diese Rache bis an die tiefsten Wurzeln reicht". 24 Zum Symbol der Vergeltung wurde das "Drama von Viktring" bei Klagenfurt. 25 Dort hatten britische Truppen nach den letzten Kämpfen noch am 15. Mai 1945 über 70 000 Menschen festgesetzt, darunter rund 11 000 Domobranci und 6000 Zivilisten aus Slowenien, ferner Tito-Gegner aus Kroatien und Serbien, die mit den Deutschen seit Anfang Mai Richtung Norden geflohen waren. Eine Woche später entschied die britische Militärführung, die Kriegsgefangenen jugoslawischer Staatsangehörigkeit den Truppen Titos zu übergeben. Sogar im Lager organisierten die Oberhäupter der Landeswehr ihre Einheiten militärisch, sprachen Beförderungen aus und rekrutierten neue Kräfte. Den Verantwortlichen auf britischer Seite war nachweislich nicht wohl bei der Auslieferung. Sie ließen die Kriegsgefangenen im Unklaren über die Zielbestimmung der Züge. Abgesehen von den Minderjährigen exekutierten Einheiten der slowenischen und jugoslawischen Partisanen die von den Briten ausgelieferten Domobranci und kroatischen Kämpfer ohne Prozess, soweit diese nicht flüchten konnten: insgesamt rund 30 000 Kroaten und bis zu 18 000 Domobranci (u.a. die aus Viktring Ausgelieferten).

In einer Untersuchung der Jahre 2002 bis 2004 wurden 410 Gräber erfasst. Spezialisten gehen davon aus, dass es weitere Massengräber gibt. Die hingerichteten Landeswehrmänner, so sie nicht schon auf dem Rückweg aus Kärnten umgebracht wurden, fanden ihr Ende vor allem in den Schlünden des Kocevski rog, den Bergwerksspalten von Stari Hrastnik und in den Stollen des Bergwerks Hl. Barbara bei Lasko. 26 Bis zu Beginn der 1950er Jahre fanden Prozesse gegen Domobranci und andere statt, denen Kollaboration vorgeworfen wurde. Dabei ging es immer weniger um die Ahndung von Kriegsverbrechen, sondern um die Ausschaltung tatsächlicher und vermeintlicher politischer Gegner und vor allem um Abschreckung. Die Menschen akzeptierten, dass öffentlich zur Vergeltung aufgerufen worden war - sei es, weil sie ihrer Opfer gedachten und die Rache für mehr oder weniger gerechtfertigt hielten, sei es, weil sie sich in ihr privates Glück flüchteten - und wurden so zu Mitwissern. Indem jede Aussprache über Verbrechen und Fehler der OF in der Öffentlichkeit und auch in der Geschichtswissenschaft sowie jede Solidarisierung mit den Opfern der Rache unterbunden wurden, verfestigten sich Angst und Schweigen.
Im Slowenischen Institut für Zeitgeschichte geht man von etwa 90 000 Sloweninnen und Slowenen aus, die von April 1941 bis Februar 1946 ums Leben kamen: 40 000 in Folge des Krieges und der Okkupation, 50 000 in Folge der innerslowenischen Abrechnung nach Kriegsende. Bis Anfang der 1960er Jahre emigrierten über 30 000 Menschen aus der jugoslawischen Teilrepublik Slowenien, vorwiegend aus politischen Motiven, darunter ehemalige Partisanen. Hinzu kommt seit der zweiten Hälfte der 1960er Jahre eine vornehmlich ökonomisch motivierte Auswanderung, die über 70 000 Sloweninnen und Slowenen außer Landes führte. Innerhalb von gut vier Jahrzehnten ist ein Bevölkerungsverlust von über 190 000 Menschen zu verzeichnen, rund zehn Prozent der heutigen Einwohnerzahl Sloweniens. Dieser Aderlass verursacht neben den existenziellen Bedrohungserfahrungen während der Zwischenkriegszeit und des Zweiten Weltkriegs die Ängste vor dem Aussterben des Volkes, der Assimilation, dem Ausverkauf des Landes und der Diffusion der slowenischen Sprache, die sich in aktuellen Identitätsdiskursen immer wieder äußern.


Neubewertung seit 1991

Von 1982 an erschien in Ljubljana die Monatszeitschrift "Nova Revija", die rasch zum wichtigsten Sprachrohr der Regimekritiker wurde. 27 In Ausgabe 57 vom Februar 1987 forderten verschiedene Autorinnen und Autoren vor dem Hintergrund der Umgestaltung in der UdSSR auch für Slowenien demokratische, "europäische" Verhältnisse unter Berücksichtigung "slowenischer nationaler Interessen". Spomenka Hribar erinnerte an das Schicksal der Domobranci und mahnte die nationale Versöhnung an. 28 Doch erst 1991 wurden die Sperrgebiete im Kocevski rog freigegeben. Die Debatte mündete in einen Prozess der Umschreibung der Geschichte, in dem sich heute zwei gegensätzliche Versionen gegenüberstehen. 29 Die "Partisanen-Version" besagt: Die Befreiungsfront leistete legitimerweise bewaffneten Widerstand gegen die Okkupanten und deren Helfershelfer. Diese lösten, indem sie sich von den Besatzern bewaffnen ließen und gegen Partisanen und Alliierte kämpften, den slowenischen Bürgerkrieg aus. Allein die Befreiungsfront kämpfte für die slowenischen Interessen. Die "Domobranci-Version" hält dagegen: Die Befreiungsfront war ein Instrument der Kommunisten zur Vorbereitung der Revolution. Sie bekämpfte die Okkupanten nicht, sondern provozierte sie zu exzessiver Gewalt gegen die Zivilbevölkerung. Sie eröffnete schon im Herbst 1941 den Bürgerkrieg, indem sie den Kampf gegen die slowenische Vorkriegselite begann. Die Domobranci haben nicht kollaboriert, sondern die Interessen der Nation verteidigt. Umfragen zeigen, dass ein knappes Viertel der Bevölkerung der Domobranci-Version zustimmt, knapp zwei Drittel der Partisanen-Version. 30

Es ist wichtig, dass öffentliche, kontroverse Diskussionen geführt werden, damit Veteranen und Nachkommen der Domobranci an neuen Gedenkstätten ihre Opfer betrauern können. Problematisch erscheint die Verbissenheit, mit der der Kampf um die Ressourcen der Geschichtsinterpretation bisweilen geführt wird. Er hat Züge eines kulturellen "Bürgerkriegs" angenommen und eskaliert unter der konservativen Regierung des Ministerpräsidenten Janez Jansa, die seit November 2004 im Amt ist. Die Aufarbeitung der Geschichte wird von den Lobbyisten der Domobranci 31 und der katholischen Kirche zu einer Umcodierung der Erinnerung genutzt, die für ehemalige Partisanen und alle, die sich ihnen verbunden fühlen, eine Provokation darstellen muss, und die auch vor dem Hintergrund, dass in Slowenien eine demokratische, pluralistische Gesellschaft etabliert werden soll, kritikwürdig ist. Oto Luthar, Direktor des Wissenschafts- und Forschungszentrums der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste, spricht von einer "Kontaminierung der Vergangenheitsinterpretation". 32 Diese besteht im Wesentlichen in der Negation der Kollaboration, der Legitimierung einer "funktionalen Kollaboration" und der Umdeutung des Widerstands der Partisanen zu "Rassismus" und "Terror" der Kommunisten zum Zweck der Revolution. 33 Aus Kollaborateuren werden nationalbewusste Kämpfer gegen den ultimativen Feind, den Kommunismus. Alle Formen des Widerstands im Umfeld der OF, die den Menschen bemerkenswerte Ausdrucksmöglichkeiten resistenten Denkens gegeben haben, 34 werden als Rekrutierungstricks der Befreiungsfront denunziert. Der Kommunismus wird als Sache von "Parteirassisten" und "Geisteskranken" pathologisiert und als der slowenischen Nation wesensfremd dargestellt. 35

Zum 60. Jahrestag des Sieges über den Faschismus legte die Regierung (gemeinsam mit dem Staatspräsidenten) die Siegesfeier erstmals mit dem Gedenken an die Opfer der Rachemorde zusammen. 36 Es scheint, als sollten die "guten, reinen" Partisanen in den Kreis der Nation aufgenommen werden. Im September 2005 erinnerte in Portoroz eine Veranstaltung der Regierung mit Ministerpräsident Jansa als Hauptredner an das Inkrafttreten des Friedensvertrages am 15. September 1947. Damit erhielt Slowenien große Teile des Küstenlandes zurück, das nach dem Ersten Weltkrieg an Italien abgetreten werden musste. Der 15. September soll Nationalfeiertag werden. 37 Doch der Tag lässt die Befreiung Triests durch das IX. Korps der Volksbefreiungsarmee im Mai 1945 vergessen; dies liegt auf der Linie von Joze Dezman, der die Rückgewinnung des Küstenlandes nicht den Partisanen, sondern der slowenischen "Republik im zweiten Jugoslawien" zuschreibt. 38 Hinzu kommt, dass die zahlreichen, seit Anfang der 1990er Jahre auf Friedhöfen und an Kirchen errichteten Denkmäler und Gedenktafeln zu Ehren der Domobranci die unterschiedliche historische Rolle der OF und der Landeswehr nicht thematisieren. Sie heben den allgemeinen Verlust hervor, sind dominiert von christlichem Symbolismus, der mit nationalen Formeln verbunden wird. Die Beschwörung von "Gott - Volk - Heimat" soll die "funktionale Kollaboration" legitimieren; dieser Diskurs droht eine neue "Spirale des Schweigens" hervorzubringen. Ohne eine Reflexion der Geschichtsbilder würden eine neue Interpretation der Geschichte des Zweiten Weltkrieges und eine neue Sinnkonstruktion der slowenischen Nationalgeschichte dominant werden. 39

Geschichtswissenschaft degeneriert zur Geschichtspolitik, wenn sie sich von Legitimationsinteressen und Trostbedürfnissen dirigieren lässt. "Aufarbeitung der Geschichte" heißt nach Theodor W. Adorno, den Bann der Vergangenheit durch "helles Bewusstsein" zu brechen. 40 Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Slowenien, die sich einem solchen Anspruch verpflichtet fühlen, setzen sich - derzeit gegen den Strom schwimmend - für eine "ganzheitliche historische Erinnerung" (M. Mikeln) ein: eine Erinnerung, die bewusst macht, wer das Land widerrechtlich angegriffen, aufgeteilt und besetzt, wer die Bevölkerung einer rassistischen Musterung, Deportationen und Geiselerschießungen ausgesetzt hat; die nicht vergisst, dass der Aggressor, und nicht etwa derjenige, der sich gegen die Aggression wehrt, völkerrechtlich verantwortlich ist für die Besatzungspolitik einschließlich der "Partisanenausrottung". Dabei wäre herauszuarbeiten, wer sich von italienischen und deutschen Besatzern hat finanzieren, bewaffnen und instrumentalisieren lassen zum Kampf gegen die Befreiungsfront und die Alliierten. Nicht zu übersehen sind die Verbindungen zwischen katholischer Kirche und Domobranci, auch nicht der Antisemitismus und Antikommunismus, den beide Institutionen damals mit den Besatzern teilten. Eine ganzheitliche Erinnerung hat den Widerspruch auszuhalten, dass dieselbe Befreiungsfront, die dank ihrer Disziplin und Entschlossenheit zur Befreiung und Vereinigung Sloweniens beigetragen hat, mit eben dieser Härte seit Herbst 1941 und vor allem nach Kriegsende einen mörderischen Kampf gegen ihre innenpolitischen Gegner geführt hat. Den Autoritarismus und die Gewaltbereitschaft der OF an Kriterien einer bürgerlich-parlamentarischen Demokratie zu Friedenszeiten zu messen und auf "Kommunismus" zurückzuführen, wäre ahistorisch. Auch die bürgerlichen Organisationen, die konspirativ arbeiteten, waren autoritär strukturiert. Wer die Tötungsmoral von Tätergruppen untersuchen will, wird den Bellizismus der Vorkriegsgesellschaft und die Kriegsbedingungen in Betracht ziehen und diese Phänomene im europäischen Maßstab analysieren müssen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Nationalismus für Partisanen und Domobranci zur Überlebensideologie. Heute fungiert er als Versöhnungsideologie. Dabei sind "nationale Einheit" und "kollektive Identität" von Intellektuellen und Politikern genährte Illusionen über die Wirklichkeit. Demokratische und pluralistische Gesellschaften können und brauchen nicht zum "Wir" (zu) werden.

Viel ist gewonnen, wenn Interessenkonflikte offen kommuniziert und zivilisiert ausgetragen werden.



1 Meinem Vater, zum 76. Geburtstag. Im Jahr 2004 hat die Leserschaft der britischen Zeitungen "The Guardian" und "The Observer" Slowenien zu ihrem "favourite European country" gewählt; vgl. The Guardian online vom 10.9.2005.
2 Vgl. Klaus Thörner, "Der ganze Südosten ist unser Hinterland". Deutsche Südosteuropapläne von 1840 bis 1945 (Diss. Univ. Oldenburg 2000), in: http://docserver.bis.uni-oldenburg.de/publikationen / dissertation / 2000 / thogan00 / thogan00.html (30.8.2006), S. 447 - 496.
3 Vgl. ebd., S. 496 - 518.
4 Vgl. Gerd R. Ueberschär, Die militärische Planung für den Angriff auf die Sowjetunion, in: ders./Lev A. Bezymenskij (Hrsg.), Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion 1941, Darmstadt 1998, S. 21 - 37.
5 Aus dem Protokoll der Besprechung Hitlers mit der Führung der Wehrmacht am 27. März 1941 zur bevorstehenden Aggression gegen Jugoslawien, zit. nach Martin Seckendorf (Hrsg.), Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus in Jugoslawien, Griechenland, Albanien, Italien und Ungarn (1941 - 1945), Berlin-Heidelberg 1992, S. 137f. Vgl. Holm Sundhaussen, Geschichte Jugoslawiens 1918 - 1980, Stuttgart 1982, S. 106 - 110.
6 Kroatien und Bosnien-Herzegowina wurden Teil des "Unabhängigen Staates Kroatien"; die Vojvodina östlich der Theiß und ein verkleinertes Serbien kamen unter deutsche Militärverwaltung unter der Leitung von Milan Nedic'; Montenegro wurde italienischer Satellitenstaat; Albanien, seinerseits von Italien kontrolliert, erhielt das Kosovogebiet und Teile Westmazedoniens; Bulgarien annektierte den Großteil Mazedoniens. Vgl. H. Sundhaussen (Anm. 5), S. 113 und S. 116f.
7 Vgl. Rolf Wörsdörfer, Krisenherd Adria 1915 - 1955, Paderborn u.a. 2004, S. 343 und S. 361.
8 Zit. nach Tone Ferenc (Hrsg.), Quellen zur nationalsozialistischen Entnationalisierungspolitik in Slowenien 1941 - 1945, Maribor 1980, S. 60f. Vgl. zum Folgenden Tamara Griesser-Pecar, Das zerrissene Volk. Slowenien 1941 - 1946, Wien-Köln-Graz 2003, S. 18 - 33; Isabel Heinemann, Die Rasseexperten der SS und die bevölkerungspolitische Neuordnung Südosteuropas, in: Mathias Beer/Gerhard Seewann (Hrsg.), Südostforschung im Schatten des Dritten Reiches, München 2004, S. 135 - 157.
9 Vgl. T. Griesser-Pecar (ebd.), S. 31f.; Dieter Blumenwitz, Okkupation und Revolution in Slowenien (1941 - 1946). Eine völkerrechtliche Untersuchung, Wien-Köln-Graz 2005, S. 51 - 55.
10 Vgl. Peter Witte u.a. (Hrsg.), Der Dienstkalender Heinrich Himmlers 1941/42, Hamburg 1999, S. 293f.
11 Vgl. Peter Engelbrecht, Touristenidylle und KZ-Grauen. Vergangenheitsbewältigung in Pottenstein, Bayreuth 1997. Unter der Regie des Ersten Bürgermeisters Stefan Frühbeißer plant die Stadt Pottenstein in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg bis etwa 2009/11 in der Magerscheune eine Dokumentation einzurichten. Schriftliche Auskunft des Ersten Bürgermeisters vom 5.9.2006 (Archiv J.H.).
12 Hierzu und zum Folgenden vgl. Peter Engelbrecht, Die Massaker der Pottensteiner SS-Karstwehr 1943 - 1944 in Slowenien, in: Gerhard Jochem/Georg Seiderer (Hrsg.), Entrechtung, Vertreibung, Mord. NS-Unrecht in Slowenien und seine Spuren in Bayern 1941 - 1945, Berlin 2005, S. 223 - 236.
13 Vgl. Harald Welzer, Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden, Frankfurt/M. 2005.
14 Vgl. P. Engelbrecht (Anm.12), S.223 f. und S.230.
15 Zum Folgenden vgl. T. Griesser-Pecar (Anm. 8), S. 41 - 204, und meine Rezension in http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de ... ionen/2006 - 1-215 (31.3.2006).
16 Zum Folgenden vgl. R. Wörsdörfer (Anm. 7), S. 332 - 350, S. 362 - 380; T. Griesser-Pecar (Anm. 8), S. 346 - 355.
17 Über 150 000 Slowenen und Sloweninnen (rund 13 % der Vorkriegsbevölkerung) wurden in die Wehrmacht und paramilitärische Formationen zwangsrekrutiert. Vgl. Marjan Znidaric/Joze Dezman/Ludvik Puklavec (Hrsg.), Nemska mobilizacija Slovencev v drugi svetovni vojni [Deutsche Mobilisierung der Slowenen im Zweiten Weltkrieg], Celje 2001.
18 Vgl. Joze Pirjevec, Teror na Primorskem [Der Terror im Küstenland] 1918 - 1945, in: Monika Kokalj Kocevar (Hrsg.), Kolo nasilja [Das Rad der Gewalt], Ljubljana 2004, S. 49 - 55.
19 Vgl. T. Griesser-Pecar (Anm. 8), S. 355 - 410.
20 Vgl. Hans Lemberg, Kollaboration in Europa mit dem Dritten Reich um das Jahr 1941, in: Karl Bosl (Hrsg.), Das Jahr 1941 in der europäischen Politik, München-Wien 1972, S. 143 - 162.
21 Boris Mlakar, Slovensko domobranstvo 1943 - 1945. Ustanovitev, organizacija, idejno ozadje [Die slowenische Heimwehr. Gründung, Organisation, ideeller Hintergrund], Ljubljana 2003.
22 Vgl. T. Griesser-Pecar (Anm. 8), S. 257 - 330; Janko Prunk, Slowenien, Ljubljana 1996, S. 134f.
23 Zum Folgenden siehe Drago Jancar, Die dunkle Seite des Mondes oder die Frage des Vergessens, in: Kommune, 19 (2001) 5, S. 6 - 11; Josip Broz Tito, Sabrana djela [Gesammelte Werke], Bd. 28, Beograd 1988, S. 76 - 79.
24 Tone Seliskar, Mascevanje je strasna beseda! [Rache ist ein schreckliches Wort], in: Slovenski porocevalec vom 26.5.1945, S. 1.
25 Vgl. T. Griesser-Pecar (Anm. 8), S. 480 - 516; B.Mlakar (Anm. 21), S. 489 - 526.
26 Vgl. Mitja Ferenc, Prikrito in ocem zakrito. Prikrita grobisca 60 let po koncu druge svetovne vojne [Versteckt und den Augen verborgen. Versteckte Gräber 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs], Celje 2005.
27 Vgl. Mira Miladinovic' Zalaznik (Hrsg.), Begegnungen, Ljubljana 1995.
28 Spomenka Hribar, Avantgardno sovrastvo in sprava [Avantgardistischer Hass und Aussöhnung], in: Nova Revija, 6 (1987) 57, S. 74 - 103.
29 Siehe Milos Mikeln, Za celovit zgodovinski spomin [Für eine ganzheitliche historische Erinnerung], in: Sodobnost (2004) 4, S. 337 - 350.
30 Vgl. ebd., S. 338.
31 Zu denken ist hier vor allem an den "Neuen Slowenischen Bund" (Nova Slovenska Zaveza). Siehe www.zaveza.org.
32 Oto Luthar, Die Schlacht um die Vergangenheit - Teil zwei? Historischer Revisionismus in Slowenien nach 1991, S. 1 (ich danke Prof. Luthar herzlich für die Überlassung dieses Papiers aus dem Jahr 2005 und anderer unveröffentlichter Manuskripte). Vgl. Breda Luthar/Oto Luthar, Kolonizacija spomina. Politika in tekstualnost domobranskih spomenikov po letu 1991 [Kolonisation der Erinnerung. Politik und Textualität der Landeswehr-Denkmäler nach 1991], in: Oto Luthar/Jurij Perovsek (Hrsg.), Zbornik Janka Pleterskega [Festschrift Janko Pleterski], Ljubljana 2003, S. 647 - 662.
33 Am deutlichsten nachzulesen bei T. Griesser-Pecar (Anm. 8) und Joze Dezman, Moc prezivetja. Sprava z umorjenimi starsi [Die Macht des Überlebens. Aussöhnung mit den ermordeten Eltern], Celovec-Ljubljana-Dunaj (2004).
34 Vgl. Niko Lukez (Hrsg.), Slovenska narodna pomoè v okupirani Ljubljani 1941 - 1945 [Die slowenische nationale Hilfe im okkupierten Ljubljana], Ljubljana 1995; Natasa Urbanc, Partisan Puppet Theatre, in: Marko Stepec (Hrsg.), The Making of Slovenia, Ljubljana 2006, S. 131f.
35 J. Dezman (Anm. 33), S. 246 - 251, stützt sich auf den Psychoanalytiker Horst E. Richter.
36 B. Luthar/O. Luthar (Anm. 32), S. 4f.
37 Slovenia Remembering Return of Primorsko, Slovene Press Agency 09/16/2005, in: www.uvi.gov.si/eng/slovenia/news/id/index.print.html (20.10.2005).
38 Zit. nach O. Luthar (Anm. 32), S. 5f.
39 Oto Luthar, Erinnerung aus Stein (unveröff. Ms. 2002).
40 Theodor W. Adorno, Eingriffe. Neun kritische Modelle, Frankfurt/M. 1963, S. 125 - 146
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Re: „Sloweniens historische Bürde“ - Perspektive

Beitragvon Forum 2002 - 2013 » So 27. Apr 2014, 07:59

Abgeschickt von Slovenski pozdravi ! am 15 November, 2010 um 13:55:21:

Antwort auf: Sloweniens historische Bürde - Dr. Joachim Hösler von Slovenski pozdravi ! am 09 November, 2010 um 19:21:04:

Massengrab in Slowenien entdeckt

In Slowenien ist ein weiteres Massengrab mit Opfern der kommunistischen Partisanen entdeckt worden. Die Opfer waren vermutlich Deutsche. Auf den „Killing Fields“ des jugoslawischen Kommunistenführers Tito in Slowenien wurden nach Kriegsende an die 100.000 Menschen erschossen.

Natürlich wusste man im ostlowenischen Städtchen Brežice und in den umliegenden Dörfern über das Verbrechen Bescheid. Die Ermordung von Tausenden Menschen und die Beseitigung ihrer Leichname lässt sich auch in einem totalitären Staat nicht so einfach geheim halten.


Die kommunistischen Partisanen in Slowenien hatten 1945 zudem wenig Grund, sich zu verstecken - Terror wirkt erst recht, wenn er öffentlich wird. Über das Blut, das nach oben drängte und die Erde auf ihrem Feld rot färbte, hatte eine Bäuerin nach dem Krieg sogar ein Gedicht geschrieben.


Mehr als 600 Massengräber hat die slowenische Regierungskommission bisher registriert, die mit der Suche nach den Opfern des Terrors der kommunistischen Partisanen betraut ist, und jedes Jahr werden es mehr. Auf den „Killing Fields“ des jugoslawischen Kommunistenführers Tito in Slowenien wurden unmittelbar nach Kriegsende an die 100.000 Menschen erschossen, mit Hacken und Schaufeln erschlagen, in den Wäldern verscharrt oder in Gräben, Karsthöhlen und Bergwerksstollen geworfen. Mehr als 14.000 Opfer waren Slowenen, an die 20.000 deutsche Soldaten und Angehörige der deutschen Minderheit. Zehntausende Kroaten waren darunter, aber auch Serben, Montenegriner, Italiener und Ungarn.

Massengrab in einem deutschen Panzergraben

Auf der regelmäßig aktualisierten Karte der Gräberkommission der slowenischen Regierung war die Gegend um Brežice (deutsch: Rann) schon lange verzeichnet. Vor zwei Jahren wurde das erste Mal versucht, die genaue Lage des Massengrabs festzustellen. Gelungen ist das erst vor wenigen Wochen. „Wir haben Skelette gefunden, Draht, Gebissteile und ein paar Soldatenstiefel“, erzählt Marko Štrovs, der die Untersuchungen leitet. Die Arbeiten begannen Mitte Oktober und wurden vorige Woche abgeschlossen. Gerichtsmediziner werden die Skelette untersuchen, wenn die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen einleitet.

Das Massengrab ist riesig: Štrovs und sein Team entdeckten eine etwa eineinhalb Meter hohe Schicht von Schädeln und Knochen, die einen 186 Meter langen und vier Meter breiten Graben füllt. Wie in Težno bei Maribor (Marburg) wurde auch hier ein von den Deutschen angelegter Panzergraben benutzt, um sich der Leichname zu entledigen. In Težno ist der Graben 950 Meter lang und enthält mehr als 15.000 Skelette. In dem Graben bei Brežice am linken Ufer der unteren Save, unweit der kroatischen Grenze, vermutet Jože Dežman, der Vorsitzende der Regierungskommission, zwei- bis dreitausend Skelette. Das, sagt Dežman, sei noch eine „konservative Schätzung“. Fünfzehn Kilometer weiter westlich, mitten in der idyllischen Flusslandschaft der Kraka rund um Kostanjevica, befinden sich weitere Massengräber.

Kleiderreste wurden in dem Panzergraben nicht gefunden. Wie an anderen Orten mussten die Gefangenen ihre Kleider ausziehen, wurden mit Telefondrähten aneinandergebunden, erschossen und in den Graben geworfen. Über Dokumente, die Auskunft über den Hergang des Verbrechens und die Identität der Opfer geben könnten, verfügt die Gräberkommission nicht. Viele Skelette dürften von älteren Menschen stammen, vielleicht von deutschen Einwohnern von Brežice, vermutet Dežman. Wahrscheinlich liegen auch deutsche Soldaten hier begraben. Am 22. Mai 1945 wurden in dieser Gegend 2000 Angehörige der 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ erschossen. Diese Division bestand zu mehr als neunzig Prozent aus sogenannten Volksdeutschen, die vorwiegend aus dem serbischen Banat stammten, aber auch aus Kroatien, Rumänien und Ungarn, und hatte sich bei der Partisanenbekämpfung auf dem Balkan schwerster Kriegsverbrechen schuldig gemacht. „Es fehlt der politische Wille, sich mit diesem Kapitel zu beschäftigen“

Die Arbeit der Gräberkommission sowie der Historiker, die den kommunistischen Verbrechen nachgehen, ist schwierig geworden, seit 2008 die ehemals kommunistische Linke in Slowenien wieder an der Macht ist. Dežman wurde als Direktor des zeitgeschichtlichen Museums in Laibach entlassen. Das Kulturministerium, erzählt er, widersetze sich heftig dem Plan, 200 der größeren Massengräber mit einem Kreuz und einer Gedenktafel zu kennzeichnen. Seit der Abwahl der konservativen Regierung Janša und dem Amtsantritt des Präsidenten Danilo Türk wird der slowenische Kommunismus ideologisch rehabilitiert.

Türk zeichnete den letzten kommunistischen Geheimdienstchef Sloweniens mit einem Verdienstorden aus, die linke Stadtverwaltung in Laibach benannte wie in alten Zeiten wieder einmal eine Straße nach Josip Broz Tito. Die Entdeckung der Massengräber in Težno, im Bergwerksstollen von Huda Jama und jetzt in Brežice hat an dem Geschichtsbild der postkommunistischen Linken, das auf dem Partisanenmythos beruht, nichts geändert. „Es fehlt der politische Wille, sich mit diesem Kapitel der slowenischen Geschichte zu beschäftigen“, sagt Dežman.

Schwer tut man sich damit allerdings auch in Großbritannien. Im mittelenglischen Great Missenden zelebrierten der Erzbischof von Laibach, der katholische Bischof von Northampton und der anglikanische Bischof von Buckingham am 29. Oktober einen ökumenischen Gottesdienst für die 12 000 Slowenen, die die Briten in Kärnten den jugoslawischen Partisanen überstellt hatten, wohl wissend, welches Schicksal ihnen bevorstand. Bis heute hat sich keine britische Regierung dazu bereit finden können, dieses Verbrechen unmissverständlich zu verurteilen.

Charles Crawford, ein ehemaliger britischer Diplomat, verglich das britische Verhalten mit dem Russlands gegenüber Katyn - Moskau leugnete den dort an Tausenden Polen begangenen Verbrechen lange oder spielte sie herunter. Auch jetzt, kritisierte Crawford, habe die Regierung keinen Vertreter zum Gottesdienst entsandt. Umso mehr Gewicht hatte die gemeinsame Initiative der katholischen und anglikanischen Bischöfe. Die Debatte über die Auslieferung der slowenischen Gefangenen an die Partisanen wurde in Großbritannien durch ein Buch von John Corsellis und Marcus Ferrar ausgelöst, das vor fünf Jahren veröffentlicht wurde und sich vorwiegend auf die Befragung von Überlebenden stützt.
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Re: „Sloweniens historische Bürde“ - J. Tschinkel

Beitragvon Forum 2002 - 2013 » So 27. Apr 2014, 08:00

Abgeschickt von John Tschinkel am 26 November, 2010 um 18:30:45:

Antwort auf: Re: Sloweniens historische Bürde - Dr. Joachim Hösler von Slovenski pozdravi ! am 15 November, 2010 um 13:55:21:


Perspektive an „Sloweniens historische Bürde“ JT, 24/11/10

Der Eintrag „Sloweniens historische Bürde - Dr. Joachim Hösler”; beschreibt die Hintergründe am „Bürgerkrieg“ der sich heutzutage in Slowenien abspielt.

Die irreführenden und zweckdienlichen Mittel mit welchen dieser „kulturelle Bürgerkrieg“ geführt und eskaliert wird ist in der krass erfassten Antwort auf Hösler’s Artikel zu sehen. Die Waffe in diesem Krieg sind die sensationell beschriebenen „Massengräber“ in Slowenien mit welchen der anonyme Schreiber versucht die heutige slowenische Regierung zu verknüpfen. Dies ist klar in seiner Behauptung: „Seit der Abwahl der konservativen Regierung Janša und dem Amtsantritt des Präsidenten Danilo Türk wird der slowenische Kommunismus ideologisch rehabilitiert“.

Der Schreiber hat wenig Interesse Hösler’s herausfordernde Thesen logisch zu behandeln. Daher bleibt Hösler’s Behauptung: „Die Aufarbeitung der Geschichte wird von den Lobbyisten der Domobranci und der katholischen Kirche zu einer Umcodierung der Erinnerung genutzt, die für ehemalige Partisanen und alle, die sich ihnen verbunden fühlen, eine Provokation darstellen muss“, unbeantwortet. Zu dem zitiert Hosler auch den Akademiker Oto Luthar, welcher an der "Kontaminierung der Vergangenheitsinterpretation" berichtet.

Dieser „Umcodierung“ und „Kontaminierung“ dienen die Massengräber als Beispiele kommunistischer Grausamkeit. In dieser „Umcodierung der Erinnerung “ werden aber die Grausamkeiten des Besatzers als Erz-Ursache an diesen Massengräbern, verschwiegen oder selten erwähnt. Auch verschwiegen ist die Mitwirkung der Kollaborateure, alle Staatsbürger des überfallenen Staates, an diesen Grausamkeiten. Nichterwähnt auch in der Antwort des Anonymen. Diese Umcodierung, sagt Hösler: „ besteht im Wesentlichen in der Legitimierung einer funktionalen Kollaboration“ mit dem Besatzer von Jugoslawien und Slowenien.

Eine wiederholende Beschreibung dieser Grausamkeiten, ausgeübt vom Besatzer und dessen Kollaborateuren, ist daher angebracht um die relevanten Perspektive zu erfrischen. Diese Beschreibung ist nicht Entschuldigung an den Massengräbern sondern ein Versuch sich der Umcodierung mit relevanten Tatsachen zu widersetzen. Aber die Massengräber aus deren Hintergrunde herauszureißen dient nur einer Verschleierung der Geschichte und mit sensationeller Provokation die Spaltung in Slowenien zu erhöhen und sie zu festigen.

Die ersten Opfer des Überfalls von Jugoslawien von Kräften der Axis waren die Bewohner von Belgrad. Diesen Massenmord entzündete der „unblutige Putsch“ in Belgrad in März 1941 welchen Hitler als Provokation betrachtete und ihm die Gelegenheit gab Jugoslawien "militärisch und als Staatsgebilde zu zerschlagen" und "mit unerbittlicher Härte" gegen das Land vorzugehen. Die totale Macht des Reiches überfiel am 6. April 1941, ohne Kriegserklärung, die Länder von Jugoslawien, darunter auch Slowenien nur weil deren Regierung sich dem Diktat von Hitler widersetzte. Am diesen Morgen, 150 Flugzeuge der Reichsluftwaffe bombardierten pausenlos Belgrad, ebneten die Stadt und töteten 17,000 deren Zivilisten.

Die folgenden Jahre nach dem Überfall brachten Jugoslawien unglaublich hohe Verluste. Die Gesamtzahl der Toten, Verwundeten und Verfolgten (in Gefängnissen, Konzentrationslagern, Vertrieben und zur Zwangsarbeit verurteilt) war fast 3.75 Millionen, ungefähr 25 % der Gesamtbevölkerung von Jugoslawien.

Nach dem U.S. Zensus Bureau, die Zahl der von der Besetzung und Okkupation verursachten Opfer, waren 1,067,000 Tote, fast 7 % der Gesamtbevölkerung des Landes, in 1938 ungefähr 15.4 Millionen. Die Forschung von Bogoljub Koèoviæ stellt die Nummer der Opfer auf 1,014 Millionen; fast die gleiche Zahl. Darunter waren 446,000 Soldaten, 581,000 Zivilisten; 67,000 von denen waren Juden. Fast 95,000 waren Slowenen.

Die oben angegebenen Opferzahlen sind die relevanten Tatsachen welche Tito zur Rache an den Kollaborateuren und Mitarbeitern des Besatzers trieb. Diese waren (unter Anderen) die Domobranci, die slowenische Heimwehr welche sich zur Unterstützung der SS Polizei verschwor. Diese waren auch die Ustaschen des mit dem Reich verbündeten Kroatien welches im Jesenovac Konzentrationslager ungefähr 100,000 Serben umbrachte, darunter 35,000 Juden wie auch Zahlen von Bosnier, Kroaten, Roma und Slowenen. Weiterhin waren es die Mitglieder der SS-Division „Prinz Eugen“, hauptsächlich aus Volksdeutschen bestehend welche an der Ausführung des Befehls, jeden Widerstand unbarmherzig zu erdrosseln, aktiv teilnahmen. All diese waren Staatsbürger des besetzten Staates und wurden daher als Verräter anerkannt und als solche behandelt.

Die Entdeckung neuer „Massengräbern“ mit Schlagzeilen zu verbreiten aber anderseits die Opfer der Okkupation und dessen Mitarbeiter zu Verheimlichen ist zweckvolle Verzerrung der Geschichte und offensichtliche Konfrontation jeder Slowenischen Regierung welche nicht den Perspektiven der Legitimierung der Kollaborateure dient. Auch verheimlicht ist die Tatsache, ehemalige slowenische Mitglieder der NOV (Narodna Osvobodilna Vojska) widersetzten sich der nach-krieg Regierung in Belgrad und in 1991 kämpften um Slowenien vom Kommunismus zu befreien. Und in den Jahren seither ist es diese Regierung, unter denen auch ehemalige Kommunisten, welche das Land zum Mitglied und Muster der Europaeischen Union brachte.

Hösler beschreibt die Entwicklung der wichtigen Hintergründe welche die Kollaborateure in Slowenien zu einer bedeutenden Unterstützungsmacht brachten. Eine verkürzte Wiederholung der Besatzungspolitik und deren Konsequenzen ist angebracht um diese Hintergründe zu behellen.

Diese Besatzungspolitik folgte Hitlers Anweisung, Slowenien "wieder deutsch zu machen". Die Anweisung verlangte die vollkommene „Auslöschung“ der Slowenen. Um sich dieser „Auslöschung“ zu widersetzen erstand, am 24 April 1941, die Osvobodilna Fronta (OF) die slowenische Befreiungsfront. In dieser waren seit Anfang auch Slowenische Kommunisten. Aber schon in September 1941 erhielt die Besatzungsmacht die Anweisung von Himmler jeden Widerstand zu brechen. Und zu dem erließ er den Befehl, für jeden von Partisanen getöteten Soldaten 100 Geiseln zu erschießen, für jeden verletzten Soldaten 50 Geisel umzubringen.

Um die Anweisung von Hitler zu verwirklichen, Personen- und Ortsnamen wurden eingedeutscht, der Gebrauch der slowenischen Sprache wurde verboten, slowenischen Schulen, Vereine und Gewerkschaften wurden geschlossen und das sämtliches Eigentum des Staates, der Kirche, der Deportierten und der Habsburger wurde beschlagnahmt. Bereits in April 1941 erließ Himmler Richtlinien die gesamte slowenische Intelligenz auszuweisen. Nach Hösler: „über 90 Prozent der Geistlichen, über 84 Prozent der Ingenieure, zwei Drittel der Hochschullehrer, 45 Prozent der Ärzte und Apotheker und fast ein Viertel der Juristen wurden verschleppt“.

In der „Auslöschung“ des Slowenischen Volkes hatte die SS auch die Absicht 260,000 Slowenen nach Serbien, (das „Generalgouvernment“ der Reiches in Sud-Ost Europa) auszusiedeln. Dies unterbrach die OF erstmals in August 1941. Später wurden die Aussiedlungen wegen des Widerstandes der OF vollkommen eingestellt. Jedenfalls wurden fast 80,000 Slowenen deportiert, überwiegend nach Deutschland zur Zwangsarbeit in der Industrie.

Und in Dezember 1941 kam ein weiterer Befehl. Alle männlichen Kollaborateure im Widerstand, (älter als 14) sind zu erschießen, derer Dörfer zu verbrennen, die Frauen zur Zwangsarbeit zu deportieren und Kinder zur Neuorientierung ins Reich zu senden. In Juli und August 1942 allein wurden elf Ortschaften in Slowenien dem Erdboden gleichgemacht.

Ende 1942 schloss sich die OF der gesamtjugoslawischen Partisanenbewegung (NOG, Narodno Osvobodilno Gibanje) unter der Führung von Tito an. Diese bekämpfte nicht nur den Besatzer, sondern auch deren innenpolitische Gegner und Kollaborateure welche nie mehr an die Macht gelangen sollten. Welche den Anspruch der NOV aber nicht anerkennen wollten sahen sich dem Verdacht der Kollaboration ausgesetzt.

Die Kollaboration mit dem Besatzer von Slowenien erstand durch die Not vieler Dörfer in Gebieten welche vom Besatzer wie auch von den Partisanen umkämpft waren. Beide Seiten beschuldigten die Dorfbewohner mit Unterstützung deren Gegner, erschossen Geiseln und plünderten die Bevölkerung. Zur Selbstverteidigung entstanden die Domobranci, die "Dorfwehren", welche der Besatzer bewaffnete und zu einer Antikommunistischen Macht zusammenstellte. Für deren Entwicklung waren die Dorfgeistlichen verantwortlich. In den Attentaten der NOV sahen diese im Kommunismus eine größere Gefahr als im Faschismus oder Nazismus und sollten daher mit Hilfe beider bekämpft werden. Das der Sieg des Dritten Reiches die „Auslöschung“ der Slowenen als Volk bedeutete wurde in diesem Fieber des ideologischen Fanatismus übersehen.

Und als die gesamtjugoslawische Partisanenbewegung (NOG) in Juni 1944 als die offizielle jugoslawische Freiungsbewegung von den Alliierten anerkannt wurde, erhielt auch der Slowenische Teil die internationale Anerkennung. Daraufhin forderte die britische Regierung die Führung der Slowenischen Domobranci den Kampf gegen die Partisanen einzustellen. Dies wurde jedoch von der Führung der Domobranci abgelehnt.

Nach der Italienischen Kapitulation im September 1943 wurden die Domobranci auf Befehl von SS General Erwin Rösner in die Besatzungsmacht unter Leon Rupnik eingereiht, von der SS bewaffnet und an Hitler verschworen. Die erste Abgabe des Treueids war am 20. April 1944, am Geburtstag von Hitler. Mit ungefähr 13,000 Mann waren die Domobranci eine relevante militärische Hilfstruppe des Besatzers gegenüber dem Befreier.

Am 21. November 1944 erließ die provisorische Regierung unter Tito eine Amnestie, die sich auch auf die Domobranci erstreckte. Die angesprochenen Personen wurden damit aufgefordert, sich bis zum 15. Januar 1945 zu melden.

Anstatt das Angebot anzunehmen, veranstaltete am 30. Januar 1945 (vier Monate vor dem Zusammenbruch des Reiches) die Leitung der Domobranci eine Massenversammlung im Central Stadion von Ljubljana an welcher deren Einheiten den Treueid an Adolf Hitler erneuerten. Dieser wurde von der auf der Bühne stehenden Leitung angenommen. Dort standen General Leon Rupnik, Leiter der Slowene Domobranci und SS-General Erwin Rösener, Kommandant der SS Besatzungspolizei in Slowenien. Und zwischen beiden stand Gregorij Rožman, Bischof der Diözese von Ljubljana. (http://muceniskapot.nuovaalabarda.org/foto-57-slo.php) Andere Bilder dokumentieren die freundlichen Beziehungen inzwischen den Dreien.

Hösler beschreibt Tito’s Ansprache vom 26. Mai 1945 (18 Tage nach Kriegsende) an die große Menschenmenge auf dem Kongressplatz in Ljubljana: “Er hob die große Zahl der Opfer des Faschismus hervor und erklärte, dass jegliche Verräter, so sie die "Rachehand unseres Volkes" noch nicht erreicht habe, Berge und Felder des Landes nicht mehr erblicken würden“.

Abweisung dar Amnestie und die entzündende Provokation durch Erneuerung des Treueids an Hitler, angenommen auch vom Leiter der Slowenischen Kirche, zeigt die Tiefe der verräterischen Verbindung mit dem brutalen Diktator welcher von Anfang der Besetzung die Ausrottung der Slowenen als Volk verlangte. Und dieser Verrat an deren Volke in einer Zeit wo jeder Denkende verstand das Dritte Reich war in den letzten Atemzügen seiner Existenz. Das diese Abweisung und Provokation der Domobranci Leitung Tausende von Leichtgläubigen in den Tod sandte, und daher Schuld an den Massengräbern trägt, ist nicht einfach abzustreiten.

Und heutzutage werden diese Kollaborateure und deren Sponsoren durch Umcodierung der Erinnerung legitimiert und die demokratisch erwählte Regierung mit Rehabilitierung des Kommunismus beschuldigt. Aber nach Hösler, die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung von Slowenien, seit 2004 Mitglied der Europäischen Union und ein Musterland in deren Reihen, lehnt Versuche jeder Umschreibung mit Entschlossenheit ab.
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