Klosterchronik der Karmeliten, 22.06.1945. - Mag. P. Michael

Klosterchronik der Karmeliten, 22.06.1945. - Mag. P. Michael

Beitragvon Forum 2002 - 2013 » Fr 25. Apr 2014, 12:49

Abgeschickt von Mag. P. Michael Obermayr OCD am 19 November, 2006 um 19:40:46

Sehr geehrter Herr Gladitsch!

Gestern bin ich bei meinen Recherchen in unserer Klosterchronik der Karmeliten in Graz auf einen Eintrag über die Volksgruppe der Gottscheer gestoßen; zuvor hatte ich noch nie etwas über diese Gruppe gehört, und bei der Suche im Internet habe ich dann eine Fülle von Informationen gefunden, u.a. auch Ihre Homepage. So möchte ich Ihnen diesen kurzen Chronikbeitrag zur Verfügung stellen, gleichsam als winziges Mosaiksteinchen Ihrer langen, wechselvollen Geschichte:


Originaltext:

"Die 22. [Junii 1945] Hora vespertina 6. s. missa celebrata est pro incolis vagis ex loco Gottschee in Carnia. Sunt illi stirpis Germanicae, qui in medio Slovenorum suam linguam per 6 saecula sibi conserverunt. A Regimine praeterito vesano praetextu unimis omnium Germanorum in Germaniam reducti sunt, at bello finito redire cupientes venerunt in Graeciam a Russis spoliati et fame semimortui; ad locum pristinum autem redire non permittuntur et nesciunt, ubi se vertant.
R.P. Supprior illorum curam religiosam et partim etiam materialem suscepit et eorum situationem tristem melioravit. etiam equentibus Dominicis specialem s. missam habebant." [Chronik Bd. II, S. 631]


Übetragung ins Deutsche:

"Am 22. Juni 1945 wurde um 6 Uhr Abends eine hl. Messe für die herumziehenden Einwohner des Ortes Gottschee in Carnia gefeiert. Diese sind ein deutscher Stamm, welcher inmitten der Slowenen seine Sprache über 6 Jahrhunderte lang bewahrt hatte. Vom vergangenen wahnsinnigen Regime [Nazis] wurden sie unter dem Vorwand der Vereinigung aller Deutschen nach Deutschland zurück geführt, doch nach Kriegsende kamen sie bei ihrem Versuch, in die Heimat zurückzukehren, nach Graz: von den Russen ausgeraubt, und vor Hunger halb tot. In ihre Heimat zurückzukehren wurde ihnen nicht erlaubt und so wissen sie nicht, wo sie sich hinwenden sollen.
Der hochwürdige Supprior [Pater Leo Möstl OCD] nahm sich ihrer an und versorgte sie auf religiöse und teilweise auch materielle Weise, wodurch er ihre traurige Situtation verbesserte. Auch an den folgenden Sonntagen hatten sie eine eigene hl. Messe."


Vielleicht gibt es noch lebende Zeitzeugen, die unter genannter Gruppe in unserem Karmelitenkloster in Graz (Grabenstrasse 144, 8010 Graz) dabei waren. In diesem Fall wäre ich für ein paar Zeilen (Kurzbericht) recht dankbar.


Mit freundlichen Grüßen

Mag. P. Michael Obermayr OCD
Supprior des Karmelitenkonvents
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